coming soon:

Michael Disqué und Andrea Ruhland: Zeitung Archiv für aktuelles Nichts     

in Zusammenarbeit mit dem Kleinen Raum für aktuelles Nichts im Zuge des  Festivals lAbiRynT in Frankfurt (Oder).

Samstag 24.10.2020 von 18:00 – 21:00
Kleiner Raum für aktuelles Nichts
Graefestrasse 91 (Hinterhof)
10967 Berlin

Freitag 23.10.2020 16:00 – 1800
Samstag 24.10.2020 11:00 – 18:00
Sonntag 25.10.2020 11:00 – 13:00

Förderverein für aktuelles Nichts
Lindenstrasse 4
15230 Frankfurt (Oder)

 

 

Ein Datum und ein Ort:

Abgerissene Plakate, derangierte Wäscheständer, abgestellte To-Go-Becher, Plastiktüten in einem Baumloch, Michael Disqué sieht Dinge auf der Straße, die der Zufall dort arrangiert hat. Manchmal stehen sie solitär in der Gegend rum oder liegen auf dem Boden, manchmal rotten sie sich zu Haufen zusammen und ergeben eine kleine Sperrmüllgemeinschaft. Es sind Farbspuren darunter und zerfetze Tierkadaver. Oft ist nur ein Objekt auf einem Foto dokumentiert, doch einige Objekte werden regelrecht umkreist und abgetastet, in dem sie aus unterschiedlichen Perspektiven aufgenommen werden.
Fotografisch werden sie festgehalten und auf diese Weise zu Fundstücken – zu gefundenen Objekten. Das Ergebnis sind Fotografien, deren Inhalt sich an der Grenze zum Nichts bewegt.

Disqué hält auf seinen Fotografien ephemere Konstellation und wertlose Gegenstände fest und rettet sie damit vor dem Vergessen. Er provoziert auf diese Weise Gedanken zu Wert, Wertlosigkeit und In-Wert-Setzung, zum Einfluss des Zufalls und der Bedeutung der künstlerischen Intention, denn wenn das Kunstwerk so schwer zu identifizieren ist, ist es der Fokus, den der Künstler*in auf die Fundstücke lenkt, sowie die Entscheidung sie im Kunstkontext zu verorten, die diese zu Kunstwerken macht.

Der Entscheidung Fundstücke zu fotografieren geht die Geste des Wegwerfens und Hinterlassens voraus. Das Archiv spielt damit auch auf die heutige Überflussgesellschaft mitsamt ihrer Nach-mir-die-Sintflut-Haltung an. Aber können die Bilder wirklich ein aktives Mittel gegen das Vergessen sein, wenn sie die Objekte aus ihrem Kontext herausreißen, stillstellen und ästhetisieren?

Michael Disqué selber schreibt: „Archiv und Müll sind an sich schon miteinander verbunden. Denn alles, was aus seinem Nutzungskreislauf herausgefallen ist, steht außerhalb der Gegenwart. Damit ähneln sie Kunstwerken, die ebenfalls aus gängigen Verwertungszusammenhängen herausfallen.“

 

 

One date and one place:

Torn down posters, deranged clothes drying racks, put down to-go cups, plastic bags in a tree hole, Michael Disqué sees the things in the street that chance has arranged. Sometimes they stand around solitarily or lie on the ground, sometimes they gather in heaps and form a small bulky waste community. There are traces of paint underneath and shredded animal corpses. Often only one object is documented on a photograph, but some objects are literally circled and scanned by taking them from different perspectives.
They are captured in photographs and in this way become findings – found objects. Some are even taken away and added to the archive as artefacts. The results are photographs whose content is on the borderline to nothingness.

Disqué captures ephemeral constellations and worthless objects in his photographs and thus saves them from oblivion. In this way, he provokes thoughts on value, worthlessness and the creation of worth, on the influence of chance and the meaning of the artistic intention, because if the work of art is so difficult to identify, it is the artist’s focus on the found objects and the decision to place them in the art context that transforms them into works of art.

The decision to capture found objects is preceded by the gesture of throwing them away and leaving them behind. The archive also alludes to today’s affluent society with its ‚the devil may care‘ attitude. But can the images really be an active means against forgetting when they tear the objects out of their context, immobilize them, and aestheticize them?

Michael Disqué himself writes: „Archive and garbage are in themselves connected. For everything that has fallen out of its cycle of use is outside the present. Thus they resemble works of art that also fall out of common utilization and commercialization“.

Anna-Lena Wenzel

 

About

2016 begann Michael Disqué mit der Arbeit Archiv für aktuelles Nichts. Das Projekt entstand aus dem Interesse an der Beschäftigung mit dem Nichts – das sich für ihn in einer Ästhetik des Nebensächlichen, des Wertlosen, des Hinterlassenen ausdrückt.
Es handelt sich um eine umfassende, permanent wachsende Sammlung von Fotografien, skulpturalen Objekten und Collagen. Mittlerweile ist ein umfangreiches Archiv entstanden, das Ausdruck seiner Suche nach dem nicht Fassbaren, Verborgenen ist und zugleich Fragen der Aneignung und Umwertung aufwirft, wie sie bei der Verlagerung von Fundstücken in einen Kunstraum automatisch entstehen.
Um diese Fragen gemeinsam zu diskutieren und mit anderen Positionen kurzzuschließen, entstand Anfang 2017 der Kleine Raum für aktuelles Nichts, ein 8qm großer Raum in Berlin-Kreuzberg.
Seit Ende 2019 ist Anna-Lena Wenzel mit dabei. Sie ist Künstlerin und Autorin und fokussiert in ihrer Arbeit auf das Unspektakuläre, was uns täglich umgibt: sei es in ihrer Straßenfundstücksammlung, in ihrem Stadtmagazin 99% Urban oder in ihrem Radiosalon für Alltägliches. Gemeinsam ist ihnen das Interesse an fein-präzisen nicht-lauten Dingen, an nahbaren- und doch nicht leicht zu identifizierbaren Arbeitsweisen, denen sie im Kleinen Raum für aktuelles Nichts in Formaten wie Ausstellungen, Performances und Lesungen Raum geben.

 

In 2016, Michael Disqué began his work Archiv für aktuelles Nichts (Archive for Contemporary Nothing). The project arose out of an interest in dealing with nothing – which for him expresses itself in an aesthetic of the trivial, the worthless, the bequeathed.
It is a comprehensive, permanently growing collection of photographs, sculptural objects, and collages. In the meantime, an extensive archive has been created that expresses his search for the incomprehensible, the hidden, and at the same time raises questions of appropriation and revaluation, as they automatically arise when found objects are relocated into an art space.
In order to discuss these questions and short-circuit them with other positions, the Kleine Raum für aktuelles Nichts (Tiny Space for Contemporary Nothing) was created in 2017, an 8 square metre space in Berlin-Kreuzberg.
Anna-Lena Wenzel has been part of it since the end of 2019. She is an artist and author and focuses in her work on the unspectacular that surrounds us every day: be it in her collection of street finds, in her city magazine 99% Urban or in her radio salon for the everyday. What they have in common is an interest in fine-precise, noiseless things, in approachable and yet not easily identifiable ways of working, to which they give space in formats such as exhibitions, performances, and readings at the Kleine Raum für aktuelles Nichts.

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